Persönliche Kontakte und Patenschaften mit Flüchtlingen

Liebe Leserinnen und Leser,

Mögen Sie Tee, stark, mit viel Zucker? Tee, den man nicht schnell hinunterstürzt, den man bedächtig umrührt, bis auch das letzte Kristall aufgelöst ist, um dann vorsichtig daran zu nippen, weil er so heiß ist? Dieser Tee schafft Zeit. Über den Rand des Teeglases kann man sein Gegenüber beobachten, kann kurze Fragen stellen, während man den Dampf wegbläst, oder von sich erzählen. Alle, die sich in den vergangenen Monaten aufgemacht haben, um Geflüchtete in Neugraben und Fischbek kennenzulernen, erzählen davon, wie wichtig und gut es ist, sich diese Zeit zu nehmen. Beim Tee. Und manchmal gibt es sogar Kaffee.

Wer sich diese Zeit nimmt, stellt schnell fest, dass das, was Paten und Geflüchtete zusammen unternehmen, oft für beide neu ist, manchmal anstrengend und kompliziert, oft aber spannend und manchmal sogar abenteuerlich. Denn wer war schon einmal auf einer Jobmesse und hat versucht, zu verstehen, welche Möglichkeiten es alles gibt? Man kann auch gemeinsam deutsch sprechen. Die einen üben dann die fremde Sprache, die anderen merken, wie unterschiedlich man die vertrauten Worte verstehen kann, von denen wir immer dachten, es sei doch ganz eindeutig, was wir meinen. Oder man betritt den Buchladen, und eine junge Frau empfängt den Kunden strahlend, die er nur aus der Unterkunft kennt. Ein Praktikum, vermittelt von ihrer Patin.

Was Paten für Flüchtlinge sind hängt ganz von einzelnen Menschen ab: Freund, Behördengangbegleiter, Ersatz-Großmutter für die Kinder, Teampartner beim Sport, Lotse durch Hamburgs öffentlichen Nahverkehr, Gastgeber beim gemeinsamen Abendessen.

Das ist so unterschiedlich wie die Menschen, die zu uns gekommen sind. Da ist die Familie mit 3 Kindern zwischen 10 und 1 Jahr, der es hilft, wenn jemand Zeit mit Ihnen verbringt, damit die Eltern besser Deutsch lernen können. Da ist der 28 Jahre alte Eritreer, der Bäcker werden will. Da ist der Grundschullehrer, der gerne wieder mit Kindern arbeiten möchte, wenn er genug Deutsch gelernt hat.

Flüchtlingspate sein, das ist aufregend, ein kleines Abenteuer in unserem oft so routinierten Alltag.

Wir helfen gerne beim Kennenlernen
Team Patenschaften

patenschaften@insuederelbe.de