Sport und Spiel

Keine 48 Stunden nachdem die ersten Flüchtlinge im September 2015 den ehemaligen Obi-Markt bezogen hatten, machten wir bereits unser erstes sportliches Angebot auf dem Außengelände. Ausgerüstet mit ein paar Bällen, Reifen und Seilen, Stelzen, einem Schwungtuch war es ganz unkompliziert mit den Kindern Kontakt aufzunehmen und zwei Stunden einfach Freude zu verbreiten.

handstand1So konnten wir frühzeitig die ersten Kontakte zu den Flüchtlingen knüpfen und deren Vertrauen gewinnen. In einer speziellen Fortbildung beim HSB war uns vermittelt worden, welch heilende Wirkung Sport bei traumatisch belasteten Flüchtlingen haben kann.

Durch Bewegung gelingt der Abbau von Stressoren im Körper. Der Sport bietet Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit aktiv zu sein und Beziehungen zu entwickeln, ohne die neue Sprache gut zu beherrschen. Bei Spiel und Sport werden sowohl die deutsche Sprache als auch Teile der deutschen Kultur vermittelt und dabei Kontakte geknüpft. Auch deshalb war es uns wichtig, hier sofort ein verlässliches, regelmäßiges Angebot zu etablieren.

Mit einem großen ehrenamtlichen Helferteam, viel Durchhaltevermögen und einem herausragendem Engagement jedes_r Einzelnen, bieten wir nunmehr seit 1,5 Jahren verlässlich jeden Dienstag- und Samstagnachmittag ein buntes Spiel- und Sportangebot für die Geflüchteten im Kindes-, Jugend-, und Erwachsenenalter Vorort in der EA Geutensweg an.

Zusätzlich organisieren wir besondere Aktionen außerhalb der Erstaufnahme, z. B. gemeinsames Fußballspielen in der Soccer-Halle oder Besuche von interessanten Sportveranstaltungen in der Umgebung, Ausflüge, „Wiesenspiele“  und jahreszeitliche Veranstaltungen außerhalb der Einrichtung, wie z.B. im letzten Dezember ein gemeinsames Kekse backen mit anderen Familien aus dem Stadtteil.

In einer entstandenen Laufgruppe „fit 4 run“ nahmen Geflüchtete sehr erfolgreich an lokalen Laufveranstaltungen teil, so auch erstmalig ein Staffelteam am Hamburg Marathon im April diesen Jahres.

marathon

Vereinzelt werden Flüchtlinge bereits zu Sportangeboten in die ortsansässigen Sportvereine begleitet.
Erste Kontakte bzw. Angebote finden auch mit den Bewohnern in den Folgeunterkünften „Am Aschenland“ und „Cuxhavener Straße“ statt.

Hier ein Erfahrungsbericht einer Ehrenamtlichen:

Einmal in der Woche treffe ich mich mit Frauen im Gemeinschaftsraum der Folgeunterkunft Cuxhavener Straße, um dort eine interkulturelle Sportstunde zu gestalten. Ein leichtes Cardio-Training, mit Stabilitäts- und Dehnübungen treibt uns den ein oder anderen Schweißtropfen auf die Stirn aber auch immer wieder ein Lachen in die Gesichter.

 Gut eine halbe Stunde vorher beginne ich damit, an den Türen der einzelnen Wohneinheiten zu klopfen und zu klingeln, um die Frauen an den Kurs zu erinnern und auch einige noch in letzter Minute zu motivieren dabei zu sein. Dann wird der Raum hergerichtet d.h. Tische und Stühle werden beiseite geräumt, die Gymnastikmatten werden ausgelegt, alle Jalousien geschlossen und schon kann es losgehen. 

Da unser Raum direkt in der Unterkunft liegt, ist jede Mutter in Kürze für Ihre Kinder erreichbar. Der Termin liegt noch innerhalb der Betreuungszeit der Grundschule und kleinere Kinder werden zum Teil auch mitgebracht. Einblicke sind hier nicht möglich, so legen die Frauen gern Ihre Kopftücher ab, um frei Sport zu treiben.

Hierzu ein Beispiel: Eine junge afghanische Mutter kam mit Ihrem kleinen Kind einige Minuten nach Beginn in den Raum, stand erst unschlüssig am Rand und beobachtete das Treiben. Nach einiger Zeit forderte ich Sie freundlich auf, sich einen Platz zu suchen und mitzumachen. Ich begann die nächste Übung zu erklären und vor zu machen. Als ich mich das nächste Mal im Raum umsah, wunderte ich mich sehr über ein hübsche, junge Frau mit lockigem Pferdeschwanz im roten Trainingsanzug, die mir vorher nicht aufgefallen war. Es handelte sich um die junge verspätete Afghanin, die mittlerweile Ihrem weiten Überwurf und das Kopftuch abgelegt hatte und für mich nun als ein  ganz andere Mensch wahrzunehmen war. 

Die einzelnen Übungen werden weniger durch Erklärungen als durch Vormachen verdeutlicht, auch Korrekturen werden visuell am Beispiel vorgenommen, jede Übung wird bis zu 20 mal wiederholt, dabei wird laut vorwärts und rückwärts mit gezählt, alle Körperteile werden immer wieder benannt, genauso wie Richtungsangaben (hoch/runter, vor/zurück, links/rechts). Verständnisschwierigkeiten bereiten keine Probleme, sondern eher viel Spaß, so dass auch die Bauchmuskeln beim Lachen gestärkt werden.

Nach Ende des Kurses, räumen wir gemeinsam den Raum auf. Bisher wurde ich im Anschluss immer von den Frauen zum Teetrinken in die privaten Unterkünfte eingeladen. In entspannter Runde wird Vieles geklärt.  Es sind Fragen zum Deutschkurs, wie Vokabeln oder Grammatik,Verständnisschwierigkeiten bei Infozetteln aus der Schule der Kinder, oder einfach nur Themen rund um das Leben als Frau in Deutschland, die mit einfachster Sprache und viel Gekicher besprochen werden.

Jede_r, der/die Spaß und Freude an Bewegung, Spiel und sportlichen Aktivitäten hat, kann sich uns gerne anschließen und per E-Mail sport@insuederelbe.de Kontakt zu uns aufnehmen.
Benötigt werden Helfer_innen zur Betreuung der Kinder, aber auch für die Ausgabe der Sportmaterialien, Beaufsichtigung, etc.
Weitere Infos auch auf unserer Website.